1. Mai 2018 in Stuttgart

Tausende Menschen beteiligten sich auch 2018 wieder an den 1. Mai-Demonstrationen in Stuttgart. Gemeinsam mit politischen Gruppen und Gewerkschaftsjugendlichen haben wir einen Antikapitalistischen Block auf der DGB-Demo organisiert. Auf der Revolutionären 1. Mai-Demo konnten wir einen Redebeitrag halten, den wir im Folgenden dokumentieren.

Liebe Genossinnen und Genossen,

Seien wir mal ehrlich, uns Linken geht es nicht allzu gut. Die Räume und Momente, in denen unsere Ideen und Praxis gehört und wahrgenommen werden sind klein und, im Vergleich zu den Möglichkeiten unserer politischen Gegner und Feinde, wenig beachtet. Der Rechtsruck rückt die falschen Haltungen und Positionen in den Mittelpunkt. Die angebliche Alternativlosigkeit dieser Gesellschaft scheint in den Köpfen zementiert. Viele Probleme, wenig Lösungen also hinlegen und sterben? Natürlich nicht.

Zwar sind unsere Möglichkeiten beschränkt, aber es gibt sie. Die offensichtlichste und älteste Chance, eine bessere Welt möglich zu machen, ist, dass wir die Menschen ansprechen, die ein existenzielles Interesse haben an der Überwindung des Kapitalismus. Den Menschen, die die große Masse der Bevölkerung stellen und die den Reichtum und Überfluss produzieren. Unsere Klasse- die ArbeiterInnenklasse. Warum hat diese, unsere Klasse ein Interesse an der Überwindung des Kapitalismus? Weil ihre Position nie eine sichere sein wird, in der Marktwirtschaft sind ArbeiterInnen immer erpressbar, man kann ihnen Lohn, Wohnung und Lebensgrundlage nehmen. Weil der Reichtum, denn sie schafft ihr nur zu einem Bruchteil zugutekommt. Weil der Überfluss, den sie schafft dazu benutzt wird sie zu überwachen, zu kontrollieren, und klein zu halten.

Es gibt Organisationen die die existenziellen Interessen, nach Lohn und

einem erträglichen Leben formulieren, die Gewerkschaften. Und leider bleiben sie in ihren Ansprüchen im Rahmen des Kapitalismus. Leider sind sie Sozialpartnerschaftlich. Leider haben sie Fehler: Reformismus, Zögern, Inkonsequenzen. Leider sind die Gewerkschaften fest eingebunden ins funktionieren des Kapitalismus.

Dennoch, sie sind die einzigen Organisationen, in denen sich große Massen unserer Klasse organisieren und zwar nicht aus irgendwelchen Gründen. Sondern wegen Themen und Situationen die uns als Linke massiv interessieren sollten. Soziale Kämpfe, Streiks, Auseinandersetzungen um Lohn, Entlassungen. Gewerkschaften sind Schulen des Klassenkampfes. In denen man Praxis lernt und sich selbst testen kann. Wie glaubwürdig wäre außerdem ein Linker, der sich bei der Arbeit zurückhält und nicht in den Tageskämpfen aktiv ist? Wie glaubwürdig wäre es von der befreiten Gesellschaft erst nach Arbeitsende zu reden? Wir dürfen die Gewerkschaften nicht aufgeben.


Die Probleme der Gewerkschaften existieren, aber um sie zu lösen müssen wir Linke sie auch angehen! Die Gewerkschaften sind Klassenorganisationen. Wir müssen da kämpfen wo unserer Klasse ist. Und zwar nicht damit uns irgendjemand wahrnimmt und wir als einzelne Organisation, Strömung
en oder Parteien ein paar Flyer verteilen können. Nein.

Wir reden von der Überwindung des Kapitalismus: Wer wird ihn überwinden? Wer macht Revolution? Es werden die Massen der ArbeiterInnen sein. Nicht eine Handvoll von politischen Aktivisten, egal aus welcher linken Richtung. Wenn eine Revolution Erfolg haben soll, müssen viele Menschen hinter ihr stehen, viele müssen für sie kämpfen. Und nur weil unsere Klasse eben Produzentin des Reichtums ist, kann sie den Kapitalismus letztendlich auch überwinden. Ihre Position in der Gesellschaft ermöglicht ihr dies. Nochmal, eine Linke Szene wird den Kapitalismus nicht stürzen können.

Nehmen wir die Möglichkeiten die Gewerkschaften bieten wahr, kämpfen wir nicht irgendwo und irgendwie, sondern klug und bewusst für unsere existenziellen Interessen, für Lohn, gegen Entlassungen und gegen Sozialabbau. Kämpfen wir in den Kämpfen, die sowieso schon existieren, treiben wir diese voran, verschärfen wir sie, etwa bei Streiks. Lasst uns der konsequenteste und unnachgiebigste Teil der Gewerkschaftsbewegung sein. Gewerkschaftsarbeit findet in und vor den Betrieben statt, nicht in irgendwelchen Sitzungszimmern.

Wir, die Initiative Klassenkampf Stuttgart versuchen ein Ort für diesen Anspruch zu sein. Natürlich heißt das nicht das wir ihn schon verwirklicht haben. Wir unterstützen weiterhin Streiks, Hausbesetzungen und Arbeitskämpfe und fänden es gut, wenn mehr Linke sich diesen Themen zuwenden würden.

Natürlich sieht es schlecht aus und natürlich sind wir wenige, aber es ist unsere Aufgabe das zu ändern, also ändern wir etwas daran! Und lasst uns die Situationen im Kopf behalten in denen es auch schlecht aussah und jede Möglichkeit einer besseren Gesellschaft sehr weit entfernt schien. Wer hätte dem Vietcong zugetraut die US Armee zu besiegen? Oder den abgekämpften ArbeiterInnen Russlands zugetraut das sie innerhalb von ein paar Monaten Zarentum und Kapitalismus beseitigen? Niemand. Sie haben es dennoch geschafft.

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